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drift away

Samstag, 13.09.2014

  

I’ve got wanderlust in my veins

Freitag, 26.09.2014

…und zwar ziemlich viel davon.

Am 4.Oktober beginnt die Reise nach Brisbane mit zwei kleinen Verschnaufpausen in Dubai und Singapur von jeweils ein paar Tagen.

Abschied nehmen gehört dazu. Abschied vom Gewohnten, von der Umgebung, von lieben Menschen und… vom deutschen Alltag. Manche Abschiede fallen leichter, andere ziemlich schwer.

Da ist dieses Gefühl auch wieder, dieses Kribbeln der Vorfreude, dieses leichte Grinsen wenn man ins Leere schaut und von der Reise träumt, die Befreiung, wenn man sich von GEZ und anderem Wahnsinn losreisen kann, wenn man beim Autofahren einfach die Scheibe runter lassen muss um „Yeah!“ zu schreien, wenn man beginnt, aufzuzählen, was man alles als letztes tun wird, wenn man zum Anziehen morgens in die Küche muss, weil man den Kleiderschrank schon verkauft hat und sich die Kleider im Küchenregal stapeln, wenn man eine Uhr in der Wohnung hat, die australische Zeit anzeigt, wenn man sich bei Schuhen entschuldigt, weil sie nicht mit dürfen, wenn man „Ene Mene Muh“ mit Nagellack spielt, wenn man sich überlegt, an welchem Ort man gerade sein wird, wenn dieser Joghurt sein Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht hat, wenn man sich nicht sicher ist, ob man das Geräusch, wie der Nachbar täglich brutal die Handbremse anzieht, vermissen wird, wenn man eine vertrocknete Balkonpflanze ansieht und sich denkt „Jetzt brauch ich dich auch nicht mehr gießen“, kurz: wenn diese Reise das erste ist, an was man morgens denkt und der letzte Gedanke vor dem Einschlafen ist. Das klingt jetzt vielleicht verliebt. Aber ja, einen gewissen Frohsinn erweckt das Ganze schon.

Ich will ja nicht sagen, dass es heiß ist, aber hier fallen gerade gegrillte Hähnchen vom Himmel. [Dubai]

Mittwoch, 08.10.2014

Ich bin kein großer Freund von Klimaanlagen, aber offensichtlich ist das hier in Dubai die einzige Möglichkeit, sich immer wieder abzukühlen und damit Tätigkeiten, die über die lebensnotwendigen Prozesse hinaus gehen, auszuführen.

Morgens und spätnachmittags ist es angenehm heiß. Aber was mache ich in der prallen Mittagssonne? Eisläufern in der Dubai-Mall zuschauen, zusehen, wie die Arbeiter bei der Realisierung weiterer spektakulärer Bauprojekte erst schwitzen, bis zur Endhaltestelle mit der klimatisierten Metro fahren und feststellen, dass es außerhalb des Zentrums nur noch dünnbesiedelte Wüstenlandschaft gibt, Leute beobachten, wie sich mich beobachten - als hellhäutige Europäerin, sich von den Förderbändern in den Metrostationen an der Fensterfront zwischen den überwältigenden Wolkenkratzern entlang führen lassen und wenn es interessant wirkt, Augen zu, Jäckchen aus und ab nach Draußen.

  Burj Khalifa   Burj Al Arab Marina Bay

Gegensätzlich zum glamourösen Zentrum sind die arabischen Märkte. Dass man hier nicht für sich in Ruhe durchschlendern kann, versteht sich. Dennoch wollte ich einen Blick in den überdachten und damit schattigen Gewürzmarkt, werfen, riechen, staunen, abkühlen und Fotos schießen. Was ich dann erlebte, brachte mich zum schmunzelnden Kopfschütteln und schnellem Weiterlaufen: „Curry? Saffron?“ - „No, thanks.“ - „Bags?“ - „No.“ - „Sweets? - „No.“ - „You have a husband?“ - „Yes.“ (zu meiner eigenen Sicherheit) - „Viagra?“ - ...

 

Zufällig fällt die Dauer meines Aufenthaltes auf das Eid Al Adha. Zu diesem jährlichen Opferfest werden zu Ehren des Propheten Ibrahim Paarhufer geschlachtet, im Kreis der Familie gegessen und an Bedürftige verteilt. Ziege oder Schaf gab es bei mir nicht, dafür konnte ich einem kurzen, aber prächtigen Feuerwerk am Jumeirah Beach zuschauen.

 

An meinem letzten Tag ergab sich des Rätsels Lösung: Der Pfeil an der Decke meines Hotelzimmers zeigt nicht den zukünftigen Platz eines Rauchmelders oder ist noch ein Überbleibsel von Renovierungsarbeiten, sondern gibt die Richtung des Al Kaaba an, zu der sich Muslime für das Gebet hinwenden. Ein Insider also...

Eine Stadt voller Gegensätze und wie sie mir begegnet sind [Singapur]

Montag, 13.10.2014

Jede Großstadt hat Gegensätze: arm-reich, chaotisch-reinlich, traditionell-modern, hektisch-entspannt. Ich denke aber, in Singapur ist all dies extrem ausgeprägt auf kleinstem Fleck. Am Hafen und Marina Bay gibt es gepflegte Parks, gigantische Hotels und reinliche Finanzviertel, auf den Brücken lassen sich tolle Fotos schießen und man kann Teil eines prächtiges Nachtlebens sein. Sentosa ist nur ein paar Minuten entfernt, auch hier saubere Strände und Wasserparks - es wird alles für das Wohl des Urlaubers getan.

  Marina Bay Sands Hängebrücke vom südlichsten Zipfel des asiatischen Festlands nach Sentosa

Entfernt man sich allerdings vom Touristenpfad, stößt man auf Märkte, in denen Einheimische täglich Gemüse, Fisch und eingetütelte Nudeln kaufen, Wäsche hängt zum Trockenen aus dem Fenster, Gebetsrituale werden vor den Tempeln absolviert und ältere Männer vertiefen sich im Chinatown in Brettspiele. Menschen leben hier, es ist schmutzig und es riecht.

Einige U-Bahnstationen weiter: Ein netter etwa 70-jähriger Singapurer bemühte sich, mich durch den riesigen idyllischen Kräutergarten zu führen.

  Mariamman Tempel im Chinatown Little India Brettspielbattle im Chinatown

Singapur ist aber auch die Stadt der Verbote. Keinen Kaugummi irgendwo anheften, keinen kauen und am besten auch keinen kaufen. Wie gut, dass es hier keinen gibt. Die Strafen sind enorm hoch. Das schafft viel Ordnung und Sicherheit, doch will man sich nicht auch mal auf eine Treppe setzen und sich Fingerfood schmecken lassen?

Es wird darum gebeten, komische Begebenheiten sofort an die Polizei zu melden. Was ist die Definition von komisch? Ich finde komisch, dass ein Singapurer ein T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin kein Klugscheißer, ich weiß es wirklich besser!“ trägt, dass das Smartphone hier ein ständiger Begleiter zu sein scheint (klar, Hunde sind fast überall verboten), dass ältere Menschen Einkaufswagen zusammen sammeln oder an Kiosken aushelfen müssen, weil kein soziales Rentensystem vorhanden ist.

Das ist für mich auffällig. Mit komisch ist hier eher verdächtig im Sinne von bedrohlich für die Gesellschaft oder jegliches Verhalten, das gegen die Politik verstößt, gemeint.

  kein Fahrrad fahren, nicht auf Treppen sitzen oder rumlümmeln

Alles in allem ist Dubai eher eine Stadt, die man im All-inclusive-Hotel mit Spa und gelegentlichen Touri-Touren zu Shoppingmalls und Hauptattraktionen verbringt, wo man sich am Strand brutzeln lassen kann, wenn man weiß, dass das klimatisierte Hotelzimmer keine 5 Minuten entfernt ist.

Singapur dagegen bieten für jeden etwas. Eine coole und moderne Stadt, in der die echte Kultur nicht für Touristenzwecke verdeckt wurde und immer wieder etwas Exotisches zu bieten hatte, sei es das Essen oder der Glaube. Am letzten Abend hat Singapur nochmal alles gegeben, um einen tollen Eindruck zu hinterlassen. Nachts ist die Beleuchtung am Marina Bay und Gardens by the Bay, einem großflächigen Parkgelände, vor allem auf die Skyline einfach umwerfend.

Gardens by the Bay  Marina Bay Marina Bay Hotel

Auf der Suche nach Sotong [Singapur]

Mittwoch, 15.10.2014

Ob morgens oder abends um 9, die Essmeilen in Singapur sind immer voll. Offensichtlich spielt das Essen für die Singapurer eine sehr wichtige Rolle, weshalb ich diesem Thema auch einen eigenen Abschnitt schenke.

Am Ende eines langen Tages wollte ich meinen Füßen etwas Ruhe gönnen. Das Deck der Vivocity direkt am Hafen von Singapur mit Blick auf Sentosa schien perfekt dafür. Es wurde dunkel und die Lichter strahlten. Zwischen dem Ying, Hao und Zai jain hörte ich ein „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse“. Also, wieder aufgestanden, geschaut, wo es herkommt, blau-weiß karierte Biertischgarnitur entdeckt, hingelaufen. Eine Liveband und Singapurer in Lederhosen sorgten für Stimmung auf dem Oktoberfest. Ein paar Monate später und ich wäre ausgeflippt, hätte mir Bratwurst, Sauerkraut, Brezel bestellt und jeden Bissen köstlich genossen. Doch zu kurz ist erst die Trennung her, zwischen Deutschland und mir, als dass ich mich voll und ganz hätte reinstürzen können. Ein Foto war es aber schon wert. Auch um „Erich's Wuerstelstand“ einen Tag später lief ich nur kurz herum.

Oktoberfest

Dann entschied ich mich doch für ein typisches Gericht: Hokkien Mee – gelbe Eiernudeln im Wok angebraten, bei mir mit der Beilage Riesengarnelen. Ich habe die Stäbchenesser beobachtet. Sie schieben sich die Garnele mit dem Kopf zuerst in den Mund und kauen wild drauf herum, sodass das Garnelenfleisch von Schale, Panzer und Füßchen getrennt wird. Letzteres wandert dann wieder zurück auf den Teller.

Hookien Mee Fisch und Austernomlett

Ähnlich knusprig, aber einfacher zu essen war der „Fried Sotong on a stick“. Keine Ahnung, was Sotong ist … irgendein Fisch, also der Kopf von einem Fisch am Spieß und das ganze frittiert. „Ok, ich nehm eins“. Am nächsten Tag bin ich im Chinatown auf eine Markthalle gestoßen. Da müsste ich doch Sotong finden. Vorbei an den exotischen Früchten ging es weiter zu den Unmenge von Gemüse und dem Geruch folgend fand ich dann schließlich neben anderen Fischflossen und -köpfen Sotong, ein Tintenfisch.

  Fried Sotong head on a stick

Noch schnell durch die Fleischabteilung durch und dann lagen da ein paar Füßchen - „Chicken feet from the US“, meinte der Verkäufer mit der Küchenaxt in der Hand. Ich traute mich einen Schritt näher ran. Ich könne sie auch verwenden, wenn's mich am Rücken mal wieder kratzt, hat er gesagt während er einen Fuß in die Hand nahm. Er amüsierte sich prächtig, ich schoss ein Foto und war weg.

  Hühnchenfüße und co.

Der Besuch eines Supermarktes ist ebenso sehr vergnüglich. Neben viel deutscher Schokolade kann man hier auch die asiatischen Snacks probieren: getrocknete kleine Schrimps mit Currygewürz, getrocknete Seegurken oder getrocknete Sardellen mit Sesamkruste.