Berichte von 12/2014

Gibt's hier auch Bananenlabello? [Coffs Harbour]

Donnerstag, 04.12.2014

Australien ist übersät von großen Skulpturen und Objekten. So gibt es beispielsweise "Big Crocodile", "Big Golf Ball" oder "Big Avocado". Die "Big Banana" ist in Coffs Harbour zu Hause. Zwischen den Fahrbahnen des Highways auf freien Übergang wartend hatte ich genügend Zeit, die große Banane aus der Distanz zu begutachten. Weniger eine Plantagentour, steckt mehr ein kleiner Vergnügungspark mit Eislaufhalle und Rodelbahn dahinter. Im Laden nebenan konnte man aus einer breiten Palette von Mitbringsel in Bananenform oder -geschmacksrichtung auswählen, von der Wasserpistole hin zur Seife. Meine Enttäuschung über die Tatsache, dass es keinen Labello mit Bananengeschmack gab, sas tief.

Big Banana

Weiter ging es an den Hafen, wo eines sonnigen Nachmittags Menschen von einer Seite des Stegs zur anderen liefen. Zusammen mit kreischenden Stimmen konnte das nur eins bedeuteten: Delfine. Mir war das ganz und gar nicht Banane. Also fuhr ich mein Fahhrad nahe ans Geländer, bremste, schaute ins Wasser und blickte einem Delfin genau in sein Atemloch als dieser gerade an die Wasseroberfläche schwamm. Zum Glück hab ich sie später nochmal mit der Kamera erwischt, sonst glaubt mir nachher keiner.

Hafen Coffs Harbour Muttonbird Island Sonnenuntergang am Hafen Coffs Harbour Jetty

Zwei Gehminuten vom Hostel entfernt auf der anderen Seite der Straße schlängelt sich ein Fluss entlang. Perfekt für einen kleinen Ausflug zum ersten Advent. So ging es Weihnachtslieder trällernd auf dem Paddelbrett stehend flussab. Alles Banane!

Sonntagsmarkt in Coffs Harbour   Coofs Creek Walk und Botanischer Garten

Während meiner Radtour ins nahegelegene Örtchen Sawtell konnte ich einige nette Ausblicke genießen. Wo es von der Natur gegeben ist, scheinen Pools innerhalb von Felsstücken üblich zu sein.

Sawtell und Bongil Bongil National Park Rockpool in Sawtell

Wellen? Hier geht’s um Wein! [Port Macquarie]

Dienstag, 09.12.2014

Kurz nach Ankunft in Port Macquarie traf ich einen älteren Herren, der sehnsüchtig Regen erwartete. Er meinte, die letzten Wochen seien sehr heiß und trocken gewesen und das sei nicht gut für den Wein. Hat er Wein gesagt oder Wellen? Ich glaube, es war Wein. Ok, das hier ist anders. Tatsächlich habe ich bereits die Weinregion erreicht.

Vom Zentrum der Stadt führt ein 9 km langer Küstenweg zum Leuchtturm. Angefangen an mit Graffiti bemalten Steinen an der Hafeneinfahrt geht es vorbei an acht Stränden. Für mich war diese Erkundungstour durch ständig wechselnde Vegetation und an tollen Aussichtspunkte vorbei trotz des trüben Wetters ein unvergesslicher Tagesausflug. Alles braucht seine Zeit! 

Küstenspaziergang zum Leuchtturm in Port Macquarie

In Port Macquarie werden kranke oder verletzte Koalas gepflegt. Als eines der ersten und wenigen Hospitals für Koalas werden die Tiere hier behandelt und ihnen Zuneigung geschenkt bis sie wieder in die freie Natur entlassen werden. Es gibt sogar eine Tafel, an der jeder Koala mit Namen, Anzeichen, Krankheit und Maßnahme der Behandlung eingetragen wird. Größtenteils ist das Freiwilligenarbeit. Generell sind freiwillige Kräfte, meist Rentner, in Port Macquarie sehr aktiv - sei es bei der Weinverkostung, historischen Gebäude oder Gallerien, die durch kleine Touren lebendig erhalten und für den Besucher meist kostenlos angeboten werden.

Generell schätze ich die Herzlichkeit der Leute, die ich angetroffen habe. Zweimal wurde ich angesprochen und zurück zum Hostel gefahren, als sich dunkle Gewitterwolken auftaten.

Koala Krankenhaus

Im Zoo oder diesem Krankenhaus erwartet man selbstverständlich Koalas. Wenn man allerdings ganz unverhofft im Park einen schlafenden Koala im Eukalyptusbaum erspäht, ist das etwas Besonderes.

Riesenbambus und -farn

In Port Macquarie dreht sich zur Zeit alles um Koalas. 50 Skulpturen, bemalt von Bewohnern der Stadt, werden ausgestellt.

Koala-Ausstellung in Port Macquarie

Am Nikolausabend fand eine Art Weihnachtsmarkt statt, an dem man sich bequem auf der Decke oder im Campingstuhl auf der Wiese zusammenfand und sich von Weihanchtsliedern einer Live-Band berieseln lies. Einige zogen sich zur Feier des Tages eine Weihnachtsmütze auf, Kinder turnten auf der Hüpfburg und Santa Claus verteilte Lollies. Nach „We wish you a merry Christmas and a happy New Year“ folgte zum Abschluss der Veranstaltung ein Feuerwerk am Wasser. Alles verwirrte mich sehr.

Auch das blaue "Pfefferkuchenhaus" mit Flip Flops als Ziegel oder die Weihnachtsmannfigur mit Surfboard unterm Arm sind ungewohnt.

Chrismas Carol Weihnachtsstimmung in Port Macquarie

Newcastle - Klein Hamburg?

Montag, 15.12.2014

Newcastle entfaltete sich als genau das, was ich mir unter dem Namen vorgestellt habe: Kunstviertel, schmale Reihenhäuser, deren Hauseingänge durch kleine Terrassen von Straße und Fußgängerzone abgetrennt sind, aber auch exklusive Appartementkomplexe mit freiem Blick auf Meer und Hafen und einige historische Gebäude - historisch im australischen Sinne.

  Newcastle

Bei nur einem ganzen Tag Aufenthalt und als letzter Halt vor Sydney, habe ich dementsprechend meinen Füßen zu den schon bestehenden Druckstellen noch die letzten Blasen verpasst. In keinem meiner vier Paar Schuhe konnte ich mich nunmehr aufrecht und und ohne die Mundwinkel zu verziehen fortbewegen.

Beim Erlaufen durch die Stadt hat mich diese Vielseitigkeit auf kleinem Fleck sehr überrascht. Newcastle liegt auf einer Landnase, umgeben von Wasser. Am Zipfel ein Leuchtturm. Schaut man von diesem Zipfel aus die eine Seite der Küste entlang, erblickt man den Hafen, Frachtschiffe, Segelboote, Eisenbahnlinien, Cafes und diese geschniegelten Appartements. Auf der anderen Seite der Küste wird sich am Strand gesonnt, in den Wellen gesurft oder von den Springtürmen in die Meerwasserpools eingetaucht.

Einer dieser Pools, versteckt hinter Hügeln, wurde vor etwa 2 Jahrhunderten für den Lieutenant von Newcastle persönlich errichtet. Es war sein privater Pool, bis später auch der Öffentlichkeit Zugang gewährt wurde.

Leuchtturm und Bogey Hole in Newcastle

 

Sydney – Ihre Route wird berechnet

Sonntag, 21.12.2014

Flipflops aus, Rucksack durch Handtasche getauscht, die längst eingestaubte Armbanduhr wieder umgemacht, zwei Gänge hoch geschalten und rein ins Getrümmel. Ich habe Sydney erreicht.

Opera House Sydney 

Nach zwei Monaten mit den verschiedensten Menschen in einem Zimmer zu schlafen, aus dem Rucksack zu leben, sogut wie nie eine freie Steckdose zu finden, sich die Strumpfhose auf einem Bein hüpfend in der nassen Dusche anzuziehen, nach jedem Gang ins Bad sein eigenes Handtuch mitzuschleppen und über das Bettgitter zum Trocknen aufzuhängen und nach jeder Mahlzeit Geschirr und Besteck sofort abzuwaschen, abzutrocknen und zu verstauen, gönne ich mir für diese wundervolle Zeit im Jahr ein eigenes Zimmer zur Untermiete. Als eines der ersten Tätigkeiten wurde der Rucksack komplett entpackt und außer Sichtweite gebracht. Die einzelnen Sachen im Kleiderschrank sehen sehr verloren aus. Als Last auf dem Rücken könnte ich meinen, dreimal soviel dabei zu haben.

Für gewöhnlich hätte ich mir in den ersten Tagen nach Ankunft einen Überblick über die Stadt verschafft, die Events gecheckt, mir eine Stadtkarte besorgt und einen groben Plan mit den Highlights skizziert, die ich nicht verpassen sollte, was auf dem Weg liegt, was eher für Sonntage geeignet ist usw.

vierter Advent am Bondi Beach

Da es aber Zeit war, wieder Routine und Geld einzubringen, zog ich die Jobsuche vor. Der Arbeitsmarkt ist hart umkämpft. Im Minutentakt werden Jobangebote der verschiedensten Arten online eingestellt. Qualifikation und Erfahrung nützen nicht viel, wenn man nicht unter den ersten Bewerbern ist und Flexibilität zeigt, sich kurzfristig in Person vorzustellen. Zwischen Bewerbungsgesprächen im Fish & Chips Imbiss und Probearbeiten im Cafe nahm ich auf dem Weg liegende Sights mit, überbrückte die Zeit in einem der Stadtparks, nutzte die öffentlichen Verkehrsmittel nicht nur als Transport sondern auch als Sightseeingtour, lernte Stadtteile kennen, in die ich sonst aller Voraussicht nach nie gekommen wäre oder nahm mein Frühstück am Opernhaus ein während ich auf die Fähre wartete. Mit Blick auf die Harbour Bridge, wusste ich auch schon, was ich definitiv nicht machen werde: Angegurtet auf den Brückenbogen zu klettern.

  Harbour Bridge

Es hat sich gelohnt. Montage und Freitage haben ihre ursprüngliche Bedeutung wieder. Ich arbeite für ein Unternehmen, welches Bio- und Naturprodukte vertreibt. In der Produktion und Verpackung tüte ich getrocknete Physalis ein, wiege geröstete Tamari-Mandeln ab, lasse Kürbiskerne übers Band laufen, fülle in einer Staubwolke von Johannisbrotkernmehl Produktionszettel aus und stelle Frucht-Nuss-Müslimischungen her - Produkte, mit denen ich mich gänzlich identifizieren kann.

Have yourself a merry little Christmas [Sydney]

Freitag, 26.12.2014

Wenn ein Weihnachtsbaum Schatten wirft, wenn auf der Speisekarte für die Feiertage Sommersalat auftaucht, wenn Sandspielzeug als Weihnachtsgeschenk beworben wird, wenn der Busfahrer mit rotem Umhang und weißem Bart gekleidet ist, wenn ein Surfer mit Weihnachtsmütze zum Wasser spaziert, wenn der Weihnachtsmann für den Fototermin einen Ventilator braucht und wenn neben dem geschmückten Baum im Hydepark gepicknickt wird, dann ist es Weihnachten in Australien.

geschmücktes Busfahrerhäuschen, Schneemann am Strand und co. 

Die vielen Events und Entertainments in Sydney haben dazu beigetragen, dass Weihnachtsstimmung aufkam, wenn auch spät. Lediglich mit Pfeffernussduplikaten und einer minimalen Zimmerdekoration musste ich noch nachhelfen. Das Stadtzentrum war nicht übermäßig geschmückt, eher gab es einzelne Highlights: einen Legobaum mit Santa Claus und Surfboard unterm Arm; ein vollbeleuchteter Weihnachtsbaum mit Technologiespielerein, großflächig beleuchtete Fassaden sowie 21 Nikoläuse im Darling Harbour mit Feuerwerk. Aufwendig geschmückte und prächtig beleuchtete Grundstücke habe ich leider nicht entdeckt.

Fassadenbeleuchtung der Town Hall und ein Baum aus Legosteinen

Während in Deutschland an Heilig Abend die Feierlichkeit stattfindet, wird der Tag in Australien dazu genutzt, zu meist weit entfernten Familienmitgliedern anzureisen oder mit Freunden beim Grillen und Picknick anzustoßen. Wie erwartet verlief der 24. Dezember für mich untypisch: Zur Mittagszeit wurde ein kleines Grillfest von meiner neuen Arbeit organisiert, wo es niemand wirklich eilig hatte, nach Hause zu verschwinden, um Haus zu putzen oder das Festmahl vorzubereiten. Nach Bratwurst und Burger musste ich mich erstmal zur Ruhe setzen. Im Botanischen Garten, in dem auf Schildern darum gebeten wird, auf dem Rasen zu laufen, an Rosen zu riechen, Bäume zu umarmen, mit den Vögeln zu sprechen und auf der Wiese zu picknicken, hatte ich ungewollt die Tiefschlafphase erreicht und fast meinen „Anschlusstermin“ verpasst. Am Darling Harbour, einem netten Erholungszentrum am Wasser mit exklusiven Cafes, Hotels, Theatern, Spielplätzen und Fontänen wurde ein Weihnachtsfilm in Open-Air-Atmosphäre gezeigt. Während ich in Port Macquarie bei meinem ersten australischen Weihnachtsevent von all den Menschen überrascht war, die auf Decke und Campingstuhl mit Weihnachtsmannmütze gekleidet und mit Chips, Cola und Keksen in der Hand zusammenfanden, war ich mittlerweile eine davon. Zum Abschluss gab es ein Feuerwerk begleitet durch weihnachtliche Musik. Zauberer, Akrobaten, Feuerspucker und andere Talentierte nutzen diese Menschenansammlung um den ein oder andern Dollar zu verdienen.

Heilig Abend am Darling Harbour in Sydney

Der erste Feiertag gehört der Familie und so trifft man auf den Straßen Sydney's kaum Einheimische. Das Wetter an diesem Tag entsprach weder meiner Erfahrung - kühl, stürmisch, verschneit - noch meiner Erwartung - sonnig, ungetrübt und trocken. Es gab Blitz, Donner und Wolkenbruch.

Über die Bedeutung des zweiten Feiertags, dem sogenannten Boxing Day, bin ich mir noch unsicher. Tradition ist es, sich am Vormittag mit Familie oder Freunden einen netten Platz am Strand oder auf der Wiese zu suchen, von dem man aus einen weiten Blick über die See hat. Um 13 Uhr fiel der Startschuss für die jährlich stattfindende Segelregatta auf über 1.100 km vom Hafen in Sydney nach Hobart in Tasmanien. Einige begeisterte Fans rennen mit Fernglas die Küste entlang. Nachdem sich der Menschenandrang aufgelöst hatte, konnte ich mich im Sonnenstrahl in einer Felskuhle am nordöstlichsten Punkt von Sydney am Blick auf die Skyline erfreuen.

70. Segelregatta am Watson Bay in Sydney nach der Segelregatta im Watson Bay

Am Umsteigeplatz der U-Bahn-Haltestelle wollte ich durch das Einkaufszentrum bummeln. Erst kürzlich entdeckte ich, dass man durch diese unterirdisch angelegte Einkaufsmeile einige Blocks zurücklegen und somit Fußgängerüberwege vermeiden kann. Raffiniert! Alle Geschäfte hatten geöffnet und es war übermäßig viel Antrang, es war hektisch, voll und laut. Leute liefen beutelweise aus den Läden und Menschenschlangen bildeten sich vor den Shops. Ich musste mich duchboxen. Das kann doch kein gewöhnliches Gutschein-Einlösen oder Geschenke-Zurückbringen sein! Plötzlich schoss es mir in den Kopf: Der Boxing Day ist in Australien ein verkaufsoffener Feiertag mit stark reduzierten Angeboten um Ware loszuwerden, die vor dem Weihnachtsfest nicht verkauft wurde. Ich verlege meinen Schaufensterbummel wohl besser auf einen anderen Tag. Nix wie raus hier.