Berichte von 05/2015

Die Zwölf Apostel sind sehenswert, aber was danach kommt war jenseits meiner Erwartung [Port Campbell]

Montag, 04.05.2015

Von Apollo Bay führten mich Serpentinen durch den Cape Nationalpark. Leider ist die Great Ocean Road sehr kommerziell und hier sah ich es nicht ein, Eintritt dafür zu bezahlen, dass ich auf das Gelände des Leuchtturms darf. Daher war dieser Umweg für mich nicht lohnenswert. Auf dem Rückweg zur Hauptstraße muss man neben Wild auch auf Touristen achten, die mitten auf der Straße nach Koalas Ausschau halten. Die Route driftet nun von der Küste ab und führt durch das Hinterland. Nur zu Fuß kann man auf dem etwa 100km langen Wanderweg wirklich an der Küste bleiben. Vorbei führt dieser Fußweg an kleinen Fischerdörfchen oder Küstenstädtchen, in denen man nächtigen und den Hunger stillen kann. Eine Überlegung wäre das wert.

Great Ocean Road Great Ocean Road

Ich rollte weiter über Lavers Hill und Princetown zu den Zwölf Aposteln. Auch wenn es ursprünglich nur neun Felstürme gab, von denen heute noch acht bestehen, ist es das Highlight entlang der Great Ocean Road und einer der meistfotografierten Attraktionen in Australien. Aus diesem Grund gab es Gedränge und Hektik, sobald die mit Fotoapparat bewaffneten asiatischen Reisegruppen von den Bussen in die Freiheit entlassen wurden. An der Aussichtsform angekommen platzierten sie ihre Kinder vor den Kalksteinformationen und schossen Fotos aus allen Winkeln. Die Kinder wussten nicht was los ist, aber Hauptsache die Eltern waren glücklich. Ich war angespannt, hatte es mir friedvoller vorgestellt und zog auch bald wieder weiter.

Zwölf Apostel Zwölf Apostel Zwölf Apostel

Nun kann man einen entscheidenden Fehler machen: umkehren, weil man denkt, die Zwölf Apostel als Höhepunkt gesehen zu haben. Einige Autominuten weiter sollte man das Auto abstellen und einen Fußmarsch zum Sherbrooke River vorbei am Thunder Cave wagen. Dort ist richtig Action und man ist nah dran, wenn die Wellen an den Felswänden brechen. Umwerfend ist auch Loch Ard Gorge, die Schlucht nahe Muttonbird Island sowie Razorback, ein langer schmaler Felsturm im Wasser. Ich ließ die Kamera für einen Moment aus. Frei vom Menschengedränge realisierte ich erst hier, was die Natur eigentlich geschaffen hat und das alles geradezu phänomenal ist. Vor den Zwölf Aposteln wird gern posiert, aber nimmt man wirklich wahr, was man da gerade sieht?

Thunder Cave Sherbrooke River Muttonbird Island Loch Ard Gorge Razorback

Der Tag ging zu Ende und ich fuhr wieder in einen Campingplatz ein. Dort erkannte ich einen Wohnwagen mit Kaffeeausschank wieder, der mir auf der Strecke auffiel. Ich überlegte, dass es eine super Idee sei, sich das Reisen zu finanzieren. Ich kam mit den Besitzern ins Gespräch. Das australische Ehepaar fährt schon knapp ein Jahr durch Australien, wobei es ungewöhnlich für Australier ist, das eigene Land für so lange zu bereisen. Man tendiert doch eher dazu, weiter weg zu fliegen um den größtmöglichen kulturellen Unterschied zu erleben. Der Kaffeeverkauf bringt wohl leider nicht den erwarteten Gewinn und so arbeiten die beiden hin und wieder mal auf Farmen. Nach einem Blick ins Wohnmobil, das mit TV, WC, Dusche und Heizkörper nichts ausließ hatte ich mir Appetit geholt, aber gegessen wird daheim und so ging es zurück in meinen schlichten aber bequemen Campervan.

Und was danach kommt, ist noch viel mehr [Mount Gambier]

Sonntag, 10.05.2015

Mit dem Körper im Auto aber dem Kopf noch im Bett wurde ich am nächsten Morgen recht schnell wach geblendet. Das letzte Stück der Great Ocean Road ist übersäht von Naturphänomenen und interessant macht es die Tatsache, dass man Vertreter sämtlicher Entstehungsstadien bestaunen darf.

Die Zwölf Apostel sind durch den Erosionsprozess des Meeres entstanden. Druck und Kraft des Wassers haben dazu geführt, dass die weichen Kalksteinwände nachgegeben haben und Schichten abgetragen wurden. Infolgedessen sind kleine Halbinseln entstanden in denen sich Höhlen und später Tunnel bildeten. Je nach Stabilität stürzen diese Brücken schließlich ein und isolierte Felstürme bleiben stehen. Durch die fehlende Verbindung zum Festland sind die Gebilde sehr instabil, bilden Risse, in das Salzwasser eindringen kann und fallen schließlich ein. Im Grunde genommen sind alle Formationen nur von geringer Dauer, da sie ständig äußeren Einflüssen ausgesetzt sind. Einzigartig.

Bay of Islands

Die London Bridge beispielsweise war eine Brücke über zwei Tunnel. 1990 ist der innere Brückenbogen eingestürzt. Für zwei Touristen war schlagartig der Zugang zum Festland weg und konnten nur mit Helikopter gerettet werden. Da es nun keine Brücke, sondern vielmehr ein isolierter Kalksteinbogen ist, wurde die London Bridge in London Arch umbenannt. Wer weiß, was sich die nächsten, 5, 10 oder 50 Jahre tut.

London Bridge

The Grotto gehört zu meinen Lieblingen entlang der Küstenstraße. Zum einen durch Erosion, zum anderen durch aufgespültes Salzwasser, das durch die Risse drang und schließlich Gestein ablöste, ist diese Grotte entstanden. Toll ist, dass man zu Fuß sehr nah heran kommt und die Konstruktion aus unterschiedlichen Winkeln bestaunen kann.

The Grotto

Gegen Mittag erreichte ich Warrnambool, wo die Great Ocean Road aufhört. Das Wetter war nicht gut, es regnete und stürmte, aber perfekt für einen Besuch des Blowholes im Cape Bridgewater Nationalpark nahe Portland. Bei Sonnenschein und Windstille wird man hier enttäuscht, aber an diesem Tag prallte das Wasser nur so gegen die Feslen.

Blowhole

Schließlich verließ ich den Staat Victoria, fuhr in South Australia ein und musste meine Uhr 30 Minuten zurück stellen. Es ist übrigens auch verboten, Obst und Gemüse nach South Australia einzuführen und bei Kontrollen sollte man den Kassenbon vorzeigen um zu beweisen, dass diese Möhre in South Australia und nirgendwo anders gekauft wurde. Eine Touristeninformation wies mich darauf hin. Auch allgemein waren alle Touristeninformationen sehr hilfreich. Gerade weil meistens Freiwillige dort arbeiten, wird man sehr herzlich beraten. Ich hatte immer einen großen Stapel Infomaterial und Karten auf dem Beifahrersitz liegen.

In Mount Gambier war für den heutigen Tag Endstation. Bevor es zur Nachtruhe ging, musste ich noch die Possums, große Beutelratten, im Umpherstone Sinkhole, einem eingesunkenen Park, füttern und streicheln.

Und schließlich trennten sich unsere Wege in Adelaide

Donnerstag, 14.05.2015

Am vorletzten Tag meines Roadtrips startete ich in Mount Gambier. Hier gibt es den Blue Lake, der die Bewohner mit Wasser versorgt und im Sommer in einem kräftigen Blau schimmert und je nach Wetterlage und Tageszeit seine Farbe ändert. Als ich dort war, hatte der See bereits sein winterliches Grau angenommen. Es ging weiter ins unerwartet schöne Küstenstädtchen Robe, das einige tolle Ausblicke aus meinem Van zu bieten hatte. Nach der Big Banana, der Big Hard Rock Guitar, der Big Purse, dem Big Penguin und dem Big Tasmanian Devil in ganz Australien kam ich auf der Weiterfahrt am Big Lobster, dem Großen Hummer, in Kingston vorbei.

Robe Robe Robe Mt. Gambier und Big Lobster in Kingston

Im Gegensatz zum KIA war die Prozedur des einfachen Halt machens mit dem Campervan auf Dauer anstrengend: Motor aus, aussteigen, Aussicht bewundern, Fotos machen, einsteigen, Motor an, losfahren. Eine Straßenbucht oder Aussichtsplattform auszulassen viel mir unheimlich schwer. Daher war ich nicht ganz undankbar, dass sich auf der Weiterfahrt durch den Coorong Nationalpark kaum spektakuläre Haltemöglichkeiten anboten. Das Bild durch die Windschutzscheibe war das gleiche wie durch den Rückspiegel - eine schnurgerade Strecke. Hin und wieder tauchten Briefkästen am Straßenrand auf, Wohnhäuser sah man aber keine. Auf der eintönigen Fahrt machte ich mir Gedanken, über meine Auszeit, wie es eigentlich dazu kam und dass das schon eine ziemlich geile Idee war.

Die allgemeine Beschilderung auf australischen Straßen ist entweder selbstsprechend in Bildern oder es wird tatsächlich in Worten darauf hingewiesen, dass man die Geschwindigkeit reduzieren, auf zweispurigen Straßen links bleiben soll, wenn nicht überholt wird oder den Hinweis auf einen Rastplatz mit den direkten Worten „Drowsy drivers die“ - Müde Fahrer sterben.

Coorong Nationalpark

Für den heutigen Tag war das Ziel in Meningie. Der Campingplatz war der günstigste, aber beste auf der kompletten Strecke, da ich einen guten Platz am See ergatterte. Von Meningie aus war es nicht mehr weit bis Adelaide. Ich kam schneller als gedacht auf dem Freeway voran und legte daher noch einen Halt in Hahndorf ein. Klingt deutsch, ist es auch. Was repräsentiert unser Land im Ausland am meisten? Das Oktoberfest. Daher war die kleine Shoppingstraße mit bayrischen Fahnen geschmückt, Schunkelmusik wurde gespielt sowie deutsches Bier und Bratwurst verkauft. Auch wenn Krakauer und Holzschuhe nicht deutsch sind, für die Aussie sind sie zumindest europäisch und dadurch behält das kleine Städtchen seinen Charme und Bekanntheitsgrad. Wenn es darüber hinaus noch Quark zu kaufen gegeben hätte, hätte ich spontan einen Salto in der Luft geschlagen. Gab es leider nicht.

Campingplatz Meningie Campingplatz Meningie Hahndorf

In Adelaide angekommen, gingen wir getrennte Wege – der Campervan und ich. Unsere gemeinsamen sechs Tage und 1.500 km bleiben auf jeden Fall in bester Erinnerung.

Adelaide – die Stadt der Festivals und Kirchen

Donnerstag, 21.05.2015

Nach all den Eindrücken in meinem Kopf von vergangenen Woche war ich noch nicht bereit, mich in die Großstadt Adelaide zu stürzen. Daher stellte ich das Sightseeing hinten an und tat das, wonach ich mich fühlte: mit meiner Kamera aufs Bett legen und die komplette Speicherkarte durchklicken.

Adelaide rannte mir nicht weg und so ging es los, als ich bereit war mit einer Erkundungstour zu Fuß und mit den Fahrrad. Fahrräder können kostenlos ausgeliehen werden und auch die gut ausgebauten Radwege in und um Adelaide stachen positiv hervor. Da ich vom Strand nie genug bekommen kann, rolle ich genau dort hin.

Radtour in Adelaide

Im Stadtkern selbst fällt auf, dass es viele Kirchen gibt, nette kleine Balkone an den Hausfassaden, eine gemütliche Bibliothek teils modern teils aus alten Zeiten stammend, Grünflächen entlang des Flusses und wo man hinschaut hängen Plakate für Festivals. Adelaide ist daher auch als „festival city“ bekannt.

Adelaide

Ein- und Auswandermuseen interessieren mich immer brennend: die Beweggründe, wie sie sich über die Zeit verändert haben und vor allem reale Erzählungen, wie die Einwanderer sich in neuer Umgebung ein Leben aufgebaut haben. In Adelaide gab es ein solches kleines aber feines Museum. Was auch interessant ist: Während des ersten Weltkrieges wurden viele deutsche Städte in South Australia umbenannt. Nur einige wenige erhileten ihren ursprünglichen Namen zurück, so auch das bayrisch gemschückte Dörfchen Hahndorf.

Am 25. April jeden Jahres ist in Australien ein offizieller Feiertag Der Anzac Day wird gefeiert. In Gedenken an die australischen Kriegsgefallenen fanden Märsche entlang der Kriegsdenkmäler in Adelaide statt.

Anzac Day in Adelaide 

 

Aufschieben geht nicht mehr, nun ist es soweit: Fruitpicking [Riverland]

Donnerstag, 28.05.2015

Dem Thema Fruitpicking schaute ich mit gemischten Gefühlen entgegen. Auf der einen Seite schreckten mich die furchtbaren Geschichten von anderen Reisenden ab, zum anderen war ich gespannt und gleichenfalls bereit, wieder zu arbeiten.

Wenn ich von furchtbaren Geschichten spreche, meine ich nicht nur unangenehme Hitze, Sonneneinstrahlung, Tierchen und einseitige Körperhaltung, sondern andere unerwünschte Nebenwirkungen, z.B. bei der Arbeit auf Bananenplantagen. Die Strunke werden von den Bäumen geschnitten und Arbeiter balancieren die Schwergewichte auf den Schultern auf einen Hänger. Die schwarze Flüssigkeit, die beim Verschneiden austritt, kann die Haut ätzen und Kleidung verkleben. Auf Bananenplantagen werden nur Männer eingesetzt. Frauen arbeiten zusammen mit einigen unerwünschten Tierchen in der Sortierung und Verpackung. Unbeliebte Früchte für die Ernte sind ebenso Mangos. Beim Pflücken tritt ein Saft aus, der hautätzend ist und zu juckendem Ausschlag führt. Orangenpflücken klingt ungefährlich, allerdings zerkratzt man sich hier die Unterarme durch die Verästung der Bäume. Man muss sich beeilen, denn bezahlt wird nach Leistung. Kürbisse zu ernten ist wohl noch das beste und den Männern plagt nur der Muskelkater von den Kniebeugen. Die Kürbisse müssen schnell in einen fahrenden Traktor geworfen werden. Allgemein wären da noch Farmen, die weder Toiletten noch Pausen zu Verfügung stellen oder Farmer, die wegen einer matschigen Weintraube gefüllte Traubeneimer vor den Pflückern wieder ausschütten.

Die Suche nach Farmarbeit

Es ist nun an der Zeit, selbst meine Erfahrung zu machen. Auch wenn ich mir einen top Verdienst nicht erhoffe, muss ich die Reisekasse langsam wieder auffüllen. Wozu entscheide ich mich also? Ich durchsuchte das Web nach Erntejobs, wie man am besten an sie ran kommt, wann welche Früchte wo geerntet werden und was für Alternativen es zum Fruitpicking gibt. Schnell stellte ich fest, dass sowas wie ein „Online-Stellenanzeiger“ nur begrenzt für die Farmarbeit existiert. Wäre ich Landwirtin, würde ich auch keine Anzeigen im Internet schalten. Ich würde die Hostels in der Umgebung fragen oder mich auf das Netzwerk der Backpacker verlassen, schießlich ist die Nachfrage groß. Einen Vorteil hat der, der ein Auto besitzt um in die ländlichen Gebiete zu fahren und optimalerweise auch darin nächtigen kann.

Aus diesen Gründen kann es schwierig sein, eine gute Farm zu finden. Diese Lücke haben auch Vermittlungsagenturen erkannt, bei denen man aber auch wieder vorsichtig sein muss, nicht abgezockt zu werden.

Irgendwo musste ich anfangen und machte mir die Mühe, systematisch Hostels im Hinterland von Adelaide abzutelefonieren. Parallel dazu studierte ich den Erntekalender und das gesammelte Infomaterial. Einige Hostels konntem mir zwar nicht erfreuliche, aber dafür ehrliche und hilfreiche Nachrichten geben oder mich sogar weiter verweisen. Es blieben drei Hostels übrig, die Arbeit in den kommenden Wochen versprachen, wenn die Orangen reif sind. Orangen sollten es also werden. Ich motivierte mich selbst. Warum muss es immer wieder Leute um mich herum geben, die mir die ganze Vorfreude nehmen. Vielleicht haben die aber auch Erfahrung und Orangen sind doch nicht das beste? Auf der anderen Seite werde ich nicht quer durchs Land fliegen auf die perfekte Farm. Gibt es überhaupt die perfekte Farm oder die optimale Frucht? Und wieviel spingt am Ende des Arbeitstages für mich heraus? Einige Zahlen pro gefüllten Kontainer kurierten im Internet umher. Ehemalige Pflücker schrieben, dass man sich anfangs schwer tut und es zwei Wochen dauert, bis man die Technik raus hat. Welche Technik eigentlich? Orange abreisen und fertig. Oder gibt’s da eine Anleitung? Viel Zeit für eine Einarbeitung will ich nicht opfern. Oder muss ich mich einfach darauf einstellen, dass die Erntearbeit nicht dafür geeignet ist, schnell Geld zu verdienen? Eine Bezahlung pro Stunde wäre schon geschickter, aber vielleicht ist die Bezahlung pro Eimer auch nicht schlecht, für überdurchschnittlich schnelle Pflücker. Für die ist es gut. Was, wenn alle richtig schnell sind, sich gegenseitig überbieten wollen und dann plötzlich keine Arbeit mehr da ist, oder daraufhin der Verdienst pro Eimer runtergesetzt wird?

Vielleicht steckt aber gar nicht so viel Logik dahinter und ich soll jetzt einfach mal diesen Schritt tun und mir ein eigenes Bild machen. Die Sache wurde überschlafen und ein Hostel im Riverland etwa 250 km nordöstlich von Adelaide angesteuert.